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ERACLEA >>> Die nordadriatische Küstenlandschaft
- Der Fluß Piave

Die Trockenlegungen

Seit der Urzeit haben die Menschen immer schon Feuchtgebiete gefürchtet. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man im östlichen Venetien mit großflächigen Trockenlegungen und ein ganzes Jahrhundert lang sollten diese Maßnahmen die Beziehung zwischen Mensch und Landschaft bestimmen.
Die Kraft der Verzweiflung von tausenden Taglöhnern, die sonst zum Hungern, oder zum Auswandern verurteilt waren, ließ sie, ausgerüstet mit Schubkarren und Schaufeln, dem Sumpf die ersten Ackerbaugebiete entreißen. Schwere Opfer und mühsame Handarbeit wurde von vielen Arbeitskräften auch noch nach den staatlichen Eingriffen in den 20 iger Jahren des letzten Jahrhunderts geleistet, als verschiedene Genossenschaften zur Landgewinnung gebildet und subventioniert wurden.

So entstand die heutige Landschaft, geprägt von großen Pumpsystemen, Brücken und Kanälen, von Feldern, geschützt durch viele hundert Kilometer Dämme, geprägt von Gutsstraßen, Halbpacht – Bauernhäusern und großen Landgütern inmitten ausgedehnter Felder.
Die ehemalige Landschaft, einst schwer bewirtschaftbar und ungesund, entwickelte in Küstennähe weitere ökonomische Grundlagen: Meeresstrände und Badeorte nehmen jährlich Tausende von Touristen auf.

Unter den privaten Initiativen zur Trockenlegung verdient es die „Bonifica di Livenzuola“, ge-fördert durch Marco Aurelio Pasti, besonders hervorgehoben zu werden. Sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung und der Entwicklung von Eraclea Mare. Die Familie Pasti erwarb 1913 in Livenzuola in der Gemeinde Grisolera, ein Gebiet zwischen dem Revedoli-Kanal und dem Meer und legte es mittels einer großen Pumpe am Ufer des Revedoli trocken. es handelte sich um ein tiefliegendes Sumpfgebiet, in dem nur gejagt und gefischt wurde und man Stroh für die Brennereien sammelte.

Die Arbeiten wurden in der Nachkriegszeit intensiviert und 1921 waren die Gebiete hinter der Küstenlinie in fruchtbares Ackerland umgewandelt und direkt am Meer wurden Pinienwälder angelegt. Marco Aurelio Pasti sammelte in den Wäldern bei Ravenna Pinienkerne um sie auf den Dünen entlang der Küste auszusähen. Damit schuf er den heute noch charakteristischen Pinienwald von Eraclea Mare, dem Badeort im Grünen.
Die Gewässer der Flüsse, des Meeres, und der Lagune bestimmen mit ihrer ständigen Bewegung noch heute diese Landschaft. Das Meer sorgt in der ganzen Ebene für mildes Klima. Die Trockenlegungsmaßnahmen ermöglichten eine blühende Landwirtschaft von großer ökonomischer Bedeutung für dieses Gebiet. Von der antiken römischen Via Annia durchzogen, wird in dieser fruchtbaren Ebene, Getreideanbau, direkt an der Küste Gemüseanbau und im Hinterland Weinanbau betrieben. Auch die Fischerei ist noch eine wichtige Einnahmequelle: häufig sind die Fischkutter an den Hafenmolen der Küstenstädtchen und die zum Trocknen ausgebreiteten Fischernetze zu sehen.

Die Geschichte der Trockenanlage

Das Gebäude wurde in den Jahren 1941-1942 von Marco Aurelio Pasti errichtet, der als Landbesitzer unter anderem große Sumpfflächen urbar gemacht hat . Heute gehört es der Gemeinde Eraclea. Die Anlage diente der Trocknung von Obst und Gemüse. Sie besteht aus einem Zentralgebäude und einer Heizzentrale zur Produktion von heißer Luft, noch heute erkennbar an dem hohen Kamin.
Während des 2.Weltkriegs, Anfang 1944 wurden die Ackerbauflächen östlich des Piave zwischen Jesolo und Caorle von den deutschen Truppen überschwemmt, um eine Landung der Amerikaner zu verhindern.
Die Trockenanlage befand sich in erhöhter Position und konnte somit die Produktion fortsetzen. Sie wurde von den deutschen Besetzern beschlagnahmt, um für das eigene Heer Gemüse zu trocknen.
Die Anlage stellte die einzige Verdienstmöglichkeit bis zum Kriegsende für viele Bauern der Umgebung dar, da sie ja nicht auf den überfluteten Feldern arbeiten konnten.
Die Einführung der Gefriertechnologien zur Konservierung von Lebensmitteln führten zur Schließung der Anlage.
Einige Monate lang benutzte man das Gebäude zur Produktion von Meersalz, danach wurde es in eine Hühnerzucht umgewandelt. Diesen Bestimmungszweck hatte es bis in die 70er Jahre.
1977 wurde der Komplex an eine Immobilien Gesellschaft verkauft, die in den Tourismussektor investieren wollte. Sie verkaufte es aber in den 80er Jahren an die Gemeinde Eraclea.


 

 




 


 

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